Dr. med. Fabian & Branislava Singbartl

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Schwellungen im Bereich der Ohrspeicheldrüse


Die Ohrspeicheldrüse, auch Glandula parotis genannt, sitzt im Bereich unseres Kieferwinkels und ist an der Speichelproduktion beteiligt. Schwellungen dieser Drüse führen zu den sogenannten Hamsterbacken, wie sie früher häufig bei Mumps gesehen worden sind.


Was bedeutet eine Schwellung im Bereich der Ohrspeicheldrüse?

Wie in allen Speicheldrüsen kann es auch hier bei unzureichender Flüssigkeitszufuhr zu Steinbildung kommen. Dieser Speichelstein kann den Abfluss des Speichels verhindern und führt zu einer akuten Entzündung. Diese schmerzhafte Schwellung spricht jedoch zumeist gut auf Flüssigkeitsgabe und Antibiotika an. Hat sich nun eine einzelne kugelig anmutende Schwellung auf einer Seite gebildet, so liegt möglicherweise punktuelle Vermehrung des Gewebes vor. Diese Raumforderungen der Ohrspeicheldrüse sind zumeist gutartiger Natur. Dennoch nehmen diese langsam an Größe zu und können dadurch trotz ihres gutartigen Charakters zu Problemen führen. Nicht nur stellen diese Raumforderungen eine Gefahr für den Gesichtsnerv dar, in wenigen Fällen neigen diese Tumoren aber auch zu bösartiger Entartung. Es ist daher von entscheidender Bedeutung die wahre Natur der Schwellung im Bereich der Ohrspeicheldrüse herauszufinden.


Wie erfolgt die Diagnose und Differenzierung von Ohrspeicheldrüsenschwellungen?

Zunächst erfolgen eine differenzierte Patientenbefragung und eine körperliche Untersuchung. Den höchsten Stellenwert nimmt die Ultraschalluntersuchung ein. Hier kann mit hoher Wahrscheinlichkeit die Ursache der Schwellung differenziert werden. Sollten diese Informationen nicht ausreichen, so hat man heute die Möglichkeit mit einem kleinen Endoskop den Ausführungsgang und Teile der Drüse zu untersuchen. Dies ist jedoch nur bei Steinleiden oder wiederkehrenden unklaren Entzündungen notwendig. Verhärtet sich der Verdacht auf eine gutartige Schwellung in der Ohrspeichdrüse, so empfiehlt sich die Entfernung, da sich mit Größenzunahme der Veränderung auch Komplikationen einstellen.


Wie wird die Ohrspeicheldrüse entfernt?

Die Entfernung der Ohrspeicheldrüse heißt Parotidektomie. Sie kann entweder teilweise oder ganz erfolgen. Die Erfahrungen zeigen jedoch, dass eine komplette Entfernung langfristig geringere Komplikationsraten aufweist. Die Operation wird in Vollnarkose durchgeführt. Nachdem der Patient eingeschlafen ist wird ein Nervenmessgerät an den Gesichtsnerven angelegt. Dafür werden kleine Nadeln im Bereich des Augen- und Mundwinkels eingestochen. Das Gerät dient dazu feine Nervenimpulse aufzufangen und damit die Funktion der Gesichtsnerven zu messen. Dann wird entlang einer Hautfalte vor der Ohrmuschel ein feiner Hautschnitt geführt und die Kapsel der Drüse freigelegt. Derselbe Hautschnitt wird beim Facelift verwendet und hat somit exzellente kosmetische Eigenschaften. Bei Entfernung des Drüsenkörpers wird mit Hilfe des Nervenmonitors dauerhaft die Funktion des Gesichtsnerven überprüft um Verletzungen zu vermeiden. Nach Entfernung der Drüse wird eine Drainage eingelegt um eine Ansammlung von Wundwasser zu verhindern. Dieser wird nach etwa 2-3 Tagen gezogen. Der Fadenzug erfolgt etwa 1 Woche nach Operation.


Welche  Risiken gibt es bei der Ohrspeichdrüsenentfernung?

Durch moderne hochsensible Messgeräte ist die Parotidektomie heute zu einer sehr sicheren Operation geworden. Dennoch muss über potentielle Risiken im Vorfeld einer Operation gesprochen werden.  Hauptaugenmerk wird bei der Operation auf den Gesichtsnerven gelegt. Er entspringt unterhalb des Ohres aus dem Schädelknochen und taucht in die Ohrspeichdrüse ein. In der Drüse zweigt er sich mehrfach auf und sein Verlauf ist nicht immer vorhersehbar. Kommt es während der Operation zu einer Dehnung oder schlimmstenfalls zu einer Verletzung kann eine zeitweise oder dauerhafte Lähmung der Gesichtsmuskulatur resultieren. Unter den o.g. Vorsichtsmaßnahmen ist diese Komplikation heute zu einer Seltenheit geworden. Sollte es dennoch zu einer Funktionseinschränkung in Teilen der Gesichtsmuskulatur kommen, so erholt dich diese in der Regel innerhalb von Tagen bis Wochen.

Eine weitere seltene Komplikation ist eine sogenannte Speichelfistel. Hierbei produziert verbliebenes Restgewebe weiterhin Speichel und dieser entleert sich dann aus einer kleinen Öffnung entlang der Operationsnarbe. Zumeist versiegt dieser Speichelfluss wenige Wochen nach Operation.

Manchmal zeigt sich ein Taubheitsgefühl entlang der Hautnarbe. Dies rührt daher, dass beim Hautschnitt feinste Hautnerven durchtrennt werden. Da das Wachstum von Nerven sehr langsam erfolgt, kann dieses Taubheitsgefühl einige Wochen anhalten. Sehr selten kommt es zum Einwachsen von Nervenfasern  aus der Drüse in die Haut. Dies kann dazu führen, dass bei Nahrungsaufnahme die Schweißproduktion in diesem Bereich angeregt wird. Dieses als Frey-Syndrom bekannte Phänomen ist harmloser Natur, kann jedoch bei Beschwerden einfach mit Botox behandelt werden.

Habe ich weniger Speichel nach Entfernung einer Ohrspeicheldrüse?

Nein. Es befindet sich eine Vielzahl an Speicheldrüsen im menschlichen Mund-Hals-Bereich. Nach Entfernung einer Ohrspeicheldrüse zeigen sich somit keine merkbaren Einschränkungen der Speichelzusammensetzung.

Sollten Sie weitere Informationen benötigen, so vereinbaren Sie jederzeit einen Termin mit uns.